Naturkindergarten – ein großes Glück für uns

 

Ein Jahr lang besuchte das Gemüsekind die Kleinkindgruppe im Naturkindergarten (3x die Woche für 3 1/2 Stunden mit abwechselnder Elternbegleitung), seit Mitte August ist er nun täglich bei den Großen. Und das ist so ein Glück für uns!

 

(Archiv / erschienen zuerst auf Gemüsebaby im September 2016, jetzt wieder online)

 

Hätten wir nicht vor einem Jahr den Platz bekommen, würde ich N. wahrscheinlich immer noch Zuhause betreuen. Nach einer missglückten Krippeneingewöhnung habe ich meinen festen Job gekündigt und von da an frei als Online-Journalistin gearbeitet. Kita und Frühbetreuung passte weder zu meinem Sohn noch zu mir. N. fiel es – vor allem früher – sehr schwer in Räumen mit Kindern zu bleiben, vielleicht wegen der Lautstärke. Es zog ihn immer schon nach draußen. Auch auf Spielplätzen waren wir immer diejenigen, die abseits spielten, in den Büschen und Bäumen drum herum.

Der Wald gibt meinem Sohn das, was er braucht: Weite und Freiheit, aber in einem geschützten Rahmen. Es gibt einen festen Waldplatz, zu dem sie täglich gehen, doch die Kinder können sehr selbstbestimmt entscheiden, was sie spielen wollen. N. erzählt auf der einen Seite stolz, dass alle Kinder seine Freunde sind, auf der anderen Seite spielt er aber auch gerne alleine. Und das ist kein Problem, der Waldplatz ist groß genug für alle Bedürfnisse.

Der Wald bietet ihm auch Ruhe und Bedachtheit, im Wechsel mit Wildheit. Ruhe beim Beobachten von Insekten oder beim Lauschen der Vogelgesänge. Wildheit beim Toben, Singen und Spielen. Da kann es auch mal laut zu gehen – das stört meinen Sohn in der Weite des Waldes nicht. Oft legt er sich zwischen drin einfach mal auf den Boden oder auf einen Baumstamm, um sich auszuruhen und neue Kräfte zu sammeln.

Im Wald gibt es aber auch Regeln – die für die Kinder verständlich und nicht willkürlich sind. Mit Werkzeugen darf nicht herum gelaufen und mit Stöcken nicht gehauen werden, beim Frühstück fangen alle gemeinsam an und beim Mittagessen wird gewartet, bis alle fertig sind. Es gibt einen Morgenkreis und bestimmte Haltepunkte auf dem Weg durch den Wald. Der Tag ist strukturiert und das gibt meinem Sohn Sicherheit.


Die Kinder im Wald können die Jahreszeiten mit allen Sinnen erleben. Gerade haben sie immer wieder das Springkraut am Wegesrand springen lassen, Kletten und die ersten Eicheln gesammelt und bald schon wird das Gemüsekind wieder mit Armen voller Blätter nachhause kommen. Morgens ist es jetzt schon kühler und manchmal etwas feucht, in wenigen Wochen werden wir eine Jacke und eine festere Hose anziehen müssen. N. ist bei jedem Wetter glücklich, schließlich bietet jedes Wetter neue Möglichkeiten, selbst an Regentagen, an denen wir keine Lust haben, vor die Tür zu gehen, sind die Spielmöglichkeiten unendlich: Boote aus Blättern und Stöcken können in kleinen Rinnsalen fahren, die Kinder hüpfen durch Pfützen oder kochen in alten Töpfen Suppe.

Unser Naturkindergarten unterscheidet sich etwas von Waldkindergärten, da er in große Streuobstwiesen eingebunden ist. Hier beweiden Schafe und Esel die Wiesen und es gibt unzählige Obstbäume. Die Kinder werden in die Tierpflege mit einbezogen, kümmern sich um die Schafe, füttern von der Mutter verstoßene Lämmchen mit der Flasche und dürfen ab und an auf Pferden reiten. Sie erleben auch, wie die Streuobstwiesen gepflegt und bewirtschaftet werden. Jetzt ist es bald wieder Zeit für die Apfelernte und natürlich dürfen sie dann auch selbst keltern.

Nicht zuletzt haben wir großes Glück mit den Erziehern, von denen N. sofort begeistert war. Er kannte sie schon vom Sehen, da die kleine Gruppe sich zum Losgehen morgens am selben Platz trifft wie die große Gruppe. Nach zwei Tagen in der neuen Gruppe bleib er schon alleine da, nach zwei weiteren Tagen war er beim Mittagessen dabei und seit dem ist er die gesamte Zeit bis zum frühen Nachmittag dabei. Und so glücklich! Seine gute Laune hält den ganzen Tag an, bis er ins Bett geht. Morgens singt er im Bakfiets schon Lieder, kaum angekommen sagt er mir Tschüss und rennt los, spielt auf dem alten Traktor oder sucht sich einen neuen Stock.

Für meinen Sohn ist der Naturkindergarten genau das richtige und ich freue mich auf die nächsten drei Jahre dort <3

-> Im nächsten Blogpost möchte ich über das Mittagessen im Wald schreiben und ob vegan essen dort möglich ist :)