Ich will aber ein Ei.

 

Das Gemüsekind ist gerade vier Jahre alt geworden und weiß mittlerweile schon sehr gut, was wir essen und was nicht. Pflanzenmilch ist für ihn „richtige“ Milch, bevor er veganen Aufschnitt isst, fragt er nach, ob er auch ohne Fleisch ist und er weiß schon genau, welche Gummibärchen ohne Gelatine sind.

 

Aber man merkt, dass ihn das Thema sehr beschäftigt. Er spielt gerne mit seiner Holzküche und ich werde oft ausgiebig bekocht. In letzter Zeit gibt es immer wieder Eis und Kuchen mit Milch oder sogar Nudeln mit Holztieren – die anderen veganen Gerichte oder Sorten sind leider ausverkauft und ich soll es dann trotzdem essen.

 

(Artikel aus dem Archiv, zuerst erschienen 2016, jetzt wieder aktualisiert online)

 

So gut N. es mit mir zusammen im Alltag gelingt sich rein pflanzlich zu ernähren (weil sowieso nichts anderes da ist und es mehr als genug gibt, was ihm schmeckt), so schwer fällt es ihm manchmal, wenn wir unterwegs sind. Auch wenn ich z.B. bei Geburtstagen eine Alternative mitbringe – der Kuchen, den die anderen Kinder essen, schmeckt im Zweifel natürlich immer besser, da brauche ich auch nicht mit „aber da sind doch Eier drin“ kommen. Er ist eben vier Jahre alt und wenn er etwas Süßes will, dann will er etwas Süßes – Lust auf Diskussionen und vernüftig sein, hat er da nicht.

 

Für mich ist das dann übrigens auch okay: ich schaffe gerne Situationen, in denen möglichst viel veganes Essen angeboten wird, aber wenn das Gemüsekind dann unbedingt das möchte, was die anderen Kinder auch essen, akzeptiere ich es auch und lasse ihn. Zudem kann es auch schnell dazu führen, dass er sich ausgeschlossen fühlt. In unserem Waldkindergarten zum Beispiel bringen die Kinder an ihrem Geburtstag für alle eine Kleinigkeit wie einen Muffin mit. Den die anderen Mütter natürlich mit Eiern und Milch backen, ich kann ja schlecht von ihnen verlangen nur für meinen Sohn vegan zu backen. N. wäre dann der einzige, der nichts abhaben könnte, wenn ich es ihm verbieten würde. Ich denke nicht, dass er das in diesem Moment des gemütlichen Geburtstagsfrühstücks verstehen würde.

 

Vor ein paar Wochen hat eine Mutter für N. extra vegane Gummibärchen mitgebracht, weil der Geburtstagskuchen nicht vegan war. Im Endeffekt hat das Gemüsekind dann beides gegessen – die veganen Gummibärchen und ein Stück vom Kuchen ;)

Fleisch ist für mich eine Grenze ist, die ich nicht überschreiten möchte. Es ist zwar noch nie vorgekommen, dass das Gemüsekind den Wunsch geäußert hat welches zu probieren, aber ich würde ihn wohl auch nicht lassen. Meiner Meinung nach kann er die Bedeutung Fleisch zu essen – ein Tier musste dafür sein Leben lassen – noch nicht ermessen. Und ja, ich zwinge ihm dabei meine Ansicht keine Tiere zu essen auf – das würde ich doch aber anders herum genauso tun. Dann würde ich ihm vermitteln, dass es in Ordnung ist Lebewesen zu töten und zu essen. So oder so entscheidet man doch bis zu einem gewissen Alter für sein Kind.

Aber, ich schweife ab. Eigentlich wollte ich davon erzählen, dass das Gemüsekind seit Wochen darüber redet, dass es ein Ei essen möchte. Es fing damit an, dass es die bunt gefärbten Eier beim Bäcker so toll fand. Die wollte ich aber natürlich auf keinen Fall kaufen; würde ich vermutlich auch nicht, wenn wir nicht vegan leben würden. Wer weiß, wie die Hühner gehalten wurden und wie lange die Eier da schon liegen.

 

Jedenfalls haben wir in der letzten Zeit viel über Eier gesprochen und ich habe N. immer gesagt, dass es doch viel schöner wäre, wenn die Hühner ihre Eier ausbrüten könnten und dann Küken schlüpfen würden. „Trotzdem“, bekam ich immer zu Antwort, „Ich will aber trotzdem ein Ei essen“.

 

Also habe ich mit meinem Mann darüber gesprochen und wir haben auf dem Bauernhof zwei Eier gekauft, die die beiden dann zusammen zubereiten wollten, wenn ich beim Sport wäre. Ich kann den Geruch von Eiern nicht mehr ausstehen. Mein Mann isst manchmal noch Eier, selten aber pur, eher in verarbeiteter Form, in Teig, Süßwaren usw. Die Eier vom Hofgut Oberfeld sind nichts, was ich für uns gut heiße, aber immerhin weiß ich, wie die Hühner dort gehalten werden, dass sie draußen sind und dass männliche Küken nicht gleich sterben müssen, sondern an andere Höfe weitergegeben werden (wo sie natürlich aber auch irgendwann geschlachtet werden...).

Ich fand es gut, dass N. überhaupt mal erfährt, wie echte Eier aussehen, eines halten kann und sieht, dass es ein Eigelb und Eiweiß gibt. Für uns ist das ja nichts besonderes, wir wissen das, aber er ist ja tatsächlich noch nie in Berührung mit Eiern gekommen. Im Prinzip finde ich das ja auch gut, nachdem wir jetzt aber so lange drüber gesprochen haben und er den Wunsch weiter geäußert hat, habe ich mich dafür entschieden.

 

Ich war also beim Sport, der Mann und N. haben ein hartgekochtes Ei und ein Spiegelei zubereitet. Das Aufschlagen vom Ei fand N. wohl sehr faszinierend, davon hat er mir noch lange erzählt. Als die Eier dann aber fertig waren, hat N. sich fast geschämt, er hat sich unwohl gefühlt und wollte auch nicht probieren. Auch wenn ich nicht dabei war, so lag es bestimmt auch an mir: N. weiß natürlich, dass ich es nicht gut finde Eier zu essen und dass ich eigentlich nicht dafür bin, das hat ihn bestimmt beeinflusst. Aber natürlich kann ich bei so etwas wichtigem auch nicht neutral bleiben, es gibt ja gute Gründe keine Eier zu essen und die möchte ich natürlich nicht verschweigen (auch wenn ich sie einem kleinen Kind niemals in all ihrer Grausamkeit zumuten würde). Ich möchte meinem Sohn die Werte und Moralvorstellungen vermitteln und mitgeben, die ich für wichtig halte und Mitgefühl mit allen Lebewesen, Menschen wie Tieren, gehört dazu.

Wie war denn das, als du mit dem Papa Eier gemacht hast, habe ich das Gemüsekind vorhin gefragt. „Das ist schon ein paar Monate her. Die haben mir nicht so gut geschmeckt. Ich will nie wieder Eier essen.“
(Es ist natürlich nicht schon ein paar Monate her und er hat ja gar nicht probiert, aber er hat sich so ausgedrückt und das so für sich zusammen gefasst.)

Mich würde wirklich sehr interessieren, wie ihr das seht: würdet ihr eure Kinder Eier oder Milch, Käse, Honig oder sogar Fleisch probieren lassen, auch wenn ihr es selbst nicht esst, weil ihr euch vegan oder vegetarisch ernährt? Hättet ihr anders als ich gehandelt? Dürfen kleine Ausnahmen sein oder lebt ihr immer streng vegan? Hinterlasst mir doch gerne einen Kommentar :)

 

Nachtrag Februar 2017: Das Gemüsekind hat seit dem nicht mehr den Wunsch geäußert, Eier zu essen. Im Waldkindergarten gab es mal beim Mittagessen Eier (da war ich zufällig dabei) und das Gemüsekind wollte auch unbedingt eins. „Ich esse doch manchmal Eier“, meinte es. Also hat N. ein Stück bekommen – und etwas probiert, geschmeckt hat es ihm aber nicht. „Der Papa und ich essen manchmal Eier“, erzählt er jetzt. „Nur du nicht Mama, du isst nie Eier.“

 

Für mich ist es ganz wichtig in unserem veganen Alltag authentisch zu sein und das Gemüsekind auch eigene Entscheidungen treffen zu lassen, ihm aber zu erklären, was es bedeutet, wenn er sich zB auf dem Geburtstag für den unveganen Kuchen entscheidet. Das ist dann eine Ausnahme und das ist dem Gemüsekind auch klar. Ich lebe ihm das Vegan sein vor und bin sehr glücklich darüber, dass wir in einer Zeit leben, in der eine pflanzliche Ernährung nichts mehr mit Verzicht zu tun hat, das macht es fürs Gemüsekind viel leichter. Denn, das ist mir auch wichig: Essen soll Spaß machen.